Deutschland: Die Nettoagentur muss her!

Unser aller Bundesfinanzminister sieht den Wald vor Bäumen nicht. Wenn denn das Bankgeheimnis ausgedient hat, also die Fi­nanz­be­hör­den ohnehin alles wissen, wozu überhaupt noch Steuern zahlen? Wa­rum nicht gleich alle potenziell zu versteuernden Werte und Geld­strö­me in voller Größe den Finanzämtern überlassen, die dann nach Abzug des Geldbedarfs der öffentlichen Hand die Rest­pro­zen­te den Endempfängern zur Verfügung stellen? Gegebenenfalls unter wei­te­rem Abzug einer Ab­gel­tungs­ab­gabe für das Recht der wirt­schaftlichen Nutzung eben die­ser Restprozente?

Kleinlichen Gemütern, die noch irgendwie auf verfassungsmäßigen Eigentumsschutz pochen, könnte man ihren muffigen Wind aus den Se­geln nehmen, indem Werte und Geldströme »bloß« treu­hän­de­risch an den Staat gehen.

Diesen fortschrittlichen, den Staat stärkenden Wandel könnte man nahezu arbeitsplatzneutral gestalten. Die Scharen der dann nutz­lo­sen Steuerberater werden in staatliche sogenannte »Net­to­agen­tu­ren« übernommen, welche die Restprozente zu ermitteln haben.

Ein ausgewiesener Steuerexperte erklärte mir einmal, dass auf ei­nem Regalbrett, welches die aktuelle Steuerliteratur der gesamten Welt trägt, volle zwei Drittel der Länge für Fachpublikationen aus Deutschl­and zu reservieren wären. Für Kopfrechner: Da die Bun­des­re­pub­lik für etwa 5% der Weltwirtschaft steht, beträgt damit die Komp­le­xi­tät des deutsche Steuerrechts 1300% des globalen Durch­schnitts. Was übrigens auch der Grund ist, dass deutsche Richter in Be­fan­genheitsverfahren grundsätzlich keinen Eid ablegen, dass sie noch nie eine falsche Steuererklärung abgegeben haben, weil das in unserem Land praktisch unmöglich ist.

Ersetzen wir unser gegenwärtiges Steuerunwesen durch ein System von Nettoagenturen, wird vieles einfacher, Richter und ver­gleich­ba­re Staatsdiener werden nicht mehr vom Steuergewissen geplagt. Kein Bürger macht sich mehr auf dem Feld der Abgaben strafbar oder muss – mit oder ohne professionelle Hilfe – verzweifelt im Dic­kicht der 1300% Steuervorschriften herumirren.

Wenn Schäuble nun noch den Bundesrechnungshof dahingehend neu ausrichtet, dass er nicht mehr die Behörden überwacht, sondern Ver­stö­ße von Firmen und Privatpersonen gegen das Gebot der Ge­winn­ma­xi­mie­rung ahndet, werden endlich Helmut Kohls vor­aus­ge­ahn­te »blühende Landschaften« das Bild unserer Republik kenn­zeich­nen.

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