Meinungsflut: Fortschritt bleibt Zufall

Auf ersten Blick ist eine Meinung kaum etwas wert, weil es bei über 7000000000 Menschen einfach zu viele davon gibt. Selbst wenn wir all diese Meinungen in maschinenlesbare Form überführen könnten, hätte nicht einmal die NSA einen syntaktischen Algorithmus, sie vergleichend zu bewerten.

Also muss ein besseres Modell her, indem man zuerst die Produzenten der Geistesprodukte bewertet. So interessiert viele Menschen Adolf Hitlers Meinung zur Kindererziehung oder Mohammeds Meinung zu Steinigungsgründen für Ehefrauen im Kindesalter (Fall Aischa bint Abi Bakr) nicht. Der Wert der Autoren wird von uns in solchen Fällen einfach als sehr niedrig angesetzt. Neu-Nazis und hart gesottene orthodoxe Muslime fußen sicher auf einem anderen Wertesystem, deshalb kommen wir schlecht mit ihnen zurecht.

Nun ist man mit diesem Bewertungsmodell nicht alle Schwierigkeiten los. Es gibt einfach nicht genügend Adolfs und Mohammeds, um sich im Meinungswust elegant orientieren zu können. Also muss die Methode verfeinert werden, indem man weitaus mehr Autoren auf ihren Wert in bestimmten Meinungsfeldern abklopft.

Einige Beispiele: Die Meinung einer rauchenden Kindsmutter zu Fragen des Umweltschutzes wird aus Kapazitätsgründen besser ignoriert. Ebenso ist die Meinung eines gewalttätigen Lebenspartners zu Tierversuchen gewiss zu vernachlässigen. Klerikale Abgeordnete, die neben ihren Wählern und ihrem Gewissen auch noch ihrer Fraktion und einem sich von ihnen heftig vorgestellten übernatürlichen Wesen verantwortlich sind, sollten sich ihre Meinungen gleich sparen. Selbst wenn ihre Korruptionsweste blütenweiß ist.

Die schlechte Nachricht: Diese Verfeinerung läuft einem Modetrend zuwider, dem der übersteigerten Toleranz und inhaltslosen Integration. Wir wollen praktisch wertlosen Meinungsproduzenten nicht weh tun und wühlen uns deshalb – zumeist ergebnislos – weiter durch die Meinungsflut. Und so bleibt Fortschritt zu 100% Zufall.

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